Internationale Einsätze, moderne Technik: Projektleiter Timo Schröder über das Aktionsgeschäft in Emden
Internationale Einsätze, moderne Technik: Projektleiter Timo Schröder über das Aktionsgeschäft in Emden
Emden. Das Aktionsgeschäft der Volkswagen Group Services am Standort Emden steht für moderne Fahrzeugvorbereitung, technische Präzision und internationale Einsätze. Rund 100 Mitarbeitende sorgen dafür, dass Fahrzeuge weltweit optimal auf ihre Auslieferung vorbereitet sind – technisch, softwareseitig und qualitativ. Gleichzeitig unterstützt das Team die Einführung neuer Fahrzeugsoftware und bringt seine Expertise in Innovationsthemen wie automatisiertes und perspektivisch autonomes Fahren ein. Timo Schröder (35) verantwortet seit 2024 die Projektleitung im Aktionsgeschäft der Volkswagen Group Services in Emden. Im Interview beantwortet er Fragen zum Aktionsgeschäft.
Wie hat sich das Aktionsgeschäft in Emden in den vergangenen zehn Jahren entwickelt – und was war für die Mitarbeitenden am deutlichsten spürbar?
Das Aktionsgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt – vor allem durch die wachsende Bedeutung an Fahrzeugsoftware. Früher lag der Schwerpunkt deutlich stärker auf klassischer Fahrzeugvorbereitung, heute spielt Software eine zentrale Rolle.
Konkret übernehmen wir hier in Emden unter anderem das sogenannte Flashen von Steuergeräten sowie die Inbetriebnahme von Fahrzeugen direkt vor Ort. Spezialisierte Teams der Volkswagen Group Services führen diese Aufgaben im Auftrag der Qualitätssicherung von Volkswagen durch. Beim Flashen wird die Software einzelner Steuergeräte auf den neuesten Stand gebracht – noch bevor sie ins Fahrzeug eingebaut werden. Das ist effizienter, schneller und reduziert den Aufwand gegenüber einem Software‑Update im kompletten Fahrzeug erheblich.
Für unsere Mitarbeitenden bedeutet diese Entwicklung vor allem eins: kontinuierliches Lernen. Qualifizierung, Weiterbildung und die Bereitschaft, sich mit neuer Technik auseinanderzusetzen, sind heute ein fester Bestandteil des Jobs.
Welche Aufgaben übernehmen die Servicetechniker konkret, wenn Fahrzeuge für die Auslieferung vorbereitet werden – und was macht diese Arbeit besonders anspruchsvoll?
Man kann sich unsere Arbeit ein Stück weit wie einen sehr umfassenden Fahrzeugcheck vorstellen. Die Servicetechniker arbeiten nach klar definierten Checklisten und prüfen dabei zahlreiche Funktionen und Komponenten – von elektrischen Systemen über Flüssigkeitsstände bis hin zum Reifenluftdruck oder dem Nachziehen der Räder.
Der Anspruch liegt vor allem in der Kombination aus Genauigkeit und Tempo. Die Fahrzeuge müssen technisch einwandfrei sein, gleichzeitig müssen Ausliefertermine eingehalten werden. Jede Kleinigkeit zählt, denn am Ende entscheidet sie über die wahrgenommene Qualität.
Gab es Einsätze oder Projekte, die besonders herausgestochen haben und zeigen, wie flexibel das Team reagieren muss?
Unsere Teams sind regelmäßig deutschland‑ und europaweit im Einsatz, aber besonders prägend waren sicher die internationalen Projekte. Unser Team aus Emden hat unter anderem in den USA und in Japan unterstützt.
Ein Beispiel ist Toyohashi in Japan: Dort haben unsere Flash‑Spezialisten im Jahr 2023 über zwei Monate hinweg das Team der Volkswagen Group Japan im Technical Service Center unterstützt und ihr Know‑how weitergegeben. Der Hafen Toyohashi ist Teil des Hafens Mikawa – dem größten Automobil‑Importhafen Japans. Fahrzeuge vieler Marken laufen dort ein, unter anderem auch Modelle von Volkswagen und Audi.
Wie erleben die Mitarbeitenden solche internationalen Einsätze – und wie lassen sich kurzfristige Reisen mit dem Privatleben vereinbaren?
Für viele sind diese Einsätze eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Man sammelt fachlich wie auch kulturell viele neue Eindrücke, die später wieder in die Arbeit hier in Emden einfließen. Das ist ein echter Mehrwert – für die Mitarbeitenden wie für das Team insgesamt.
Die Einsätze sind in der Regel zeitlich klar begrenzt und dadurch gut planbar. Natürlich bedeutet das trotzdem Organisation im privaten Umfeld. Familie, Partnerschaft und Beruf müssen in dieser Zeit gut abgestimmt sein. Deshalb sprechen wir solche Einsätze sehr transparent und frühzeitig ab.
Wie hat die zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeugflotte die Arbeit in Emden verändert?
Die Arbeit an Elektrofahrzeugen bringt deutlich höhere Anforderungen an Sicherheit und Qualifikation mit sich. Unsere Mitarbeitenden werden regelmäßig unterwiesen und speziell geschult, insbesondere für Tätigkeiten am Hochvoltsystem.
Dafür absolvieren sie sogenannte EFFFT‑Schulungen – das steht für „Elektrofachkraft für Fahrzeugtechnik“. Diese Schulungen dauern zwei Wochen, sind sehr intensiv und schließen mit einer Prüfung ab. Darauf sind wir ehrlich gesagt ziemlich stolz: Die Quote liegt bei 100 Prozent. Unsere Kolleginnen und Kollegen wissen genau, was sie tun.
Und weil sich Technik ständig weiterentwickelt, werden diese Schulungen alle zwei Jahre wiederholt. Stillstand gibt es in diesem Bereich nicht.
Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften braucht jemand, der im Aktionsgeschäft erfolgreich arbeiten möchte – gerade im Vergleich zu klassischen Werkstatt‑ oder Logistikjobs?
Flexibilität ist wahrscheinlich das wichtigste Stichwort. Man muss offen sein für Neues, bereit sein, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten – und auch mal kurzfristig umzudenken.
Im Aktionsgeschäft läuft nicht jeder Tag nach Plan. Unerwartete Situationen gehören dazu. Entscheidend ist dann, lösungsorientiert zu reagieren und den Blick darauf zu behalten, was der Kunde am Ende erwartet: ein technisch perfektes Fahrzeug.
Welche Rolle spielt der Standort Emden für den Konzern – und für das Aktionsgeschäft konkret?
Mit seiner Hafenlage, großzügigen Abstellflächen und optimaler logistischer Anbindung zu See, per Schiene und zu Land bietet der Standort Emden der Volkswagen Group Services in Zusammenspiel mit unserer Tochtergesellschaft EVAG Emder Verkehrs und Automotiv Gesellschaft die idealen Rahmenbedingungen für eine effiziente Fahrzeugvorbereitung. Die hohen Kapazitäten und die direkte Anbindung an internationale Transportwege machen den Standort zu einem logistischen Dreh- und Angelpunkt für den Volkswagen Konzern.
Mit rund 1.200 Mitarbeitenden gehört der Standort Emden zu den größten innerhalb unseres Unternehmens. Für das Aktionsgeschäft ist vor allem die direkte Anbindung an den Hafen entscheidend. Hier werden Fahrzeuge in großer Zahl in unterschiedlichste Länder verschifft. Das bedeutet auch: viele Modelle, unterschiedliche Anforderungen und ein hohes Maß an Flexibilität.
Was macht Sie persönlich stolz, wenn Sie an Ihr Team in Emden denken?
Mich beeindruckt immer wieder die Professionalität und Einsatzbereitschaft des Teams. Egal ob hier in Emden oder irgendwo auf der Welt – unsere Kolleginnen und Kollegen stehen für Qualität, Verlässlichkeit und Fachwissen. Gleichzeitig zeichnet das Team ein starkes Miteinander aus: Man unterstützt sich gegenseitig, zieht an einem Strang und begegnet sich auf Augenhöhe. Dieses Wir‑Gefühl und die Kollegialität sind spürbar – im Alltag wie in herausfordernden Situationen. Und genau das erleben am Ende auch unsere Kunden.